Die dunkle Zeit im Jahr beginnt und lädt uns ein, still zu werden und uns zurückzuziehen. Ab Samhain - das Fest des Übergangs im keltischen Jahreskreis - öffnet sich eine besondere Energiequalität: Altes darf gehen, Neues entsteht bereits im Verborgenen. Doch genau dieser Wandel berührt oft unsere tiefsten Ängste – noch vor dem Loslassen und der kommenden Veränderung.
In diesem Beitrag findest du schamanische Übungen rund um Samhain, die dir helfen, Angst loszulassen und dich mit der stillen Energie der Dunkelzeit zu verbinden. Sie unterstützen dich dabei, innerlich ruhig zu werden, dich zu erden und das Vertrauen zu stärken, dass alles seinen Platz im großen Zyklus des Lebens hat.
SAMHAIN: DAS TOR ZUR DUNKELZEIT
Samhain markiert im keltischen Jahreskreis das Ende des alten und den Beginn des neuen Jahres. Es ist die Zeit, in der die Schleier zwischen den Welten dünn werden, und das Sichtbare in das Unsichtbare übergeht.
Die Natur zieht sich zurück, Blätter fallen, Nebel ziehen über die Felder, das Licht schwindet – alles bereitet sich auf Ruhe, Rückzug, Regeneration und den kommenden Neubeginn vor.
Schamanisch betrachtet, ist diese Phase kein Ende, es ist eine Wandlungszeit – eine Einladung, die Dunkelheit nicht zu fürchten, sondern innezuhalten und zu spüren, was in uns losgelassen werden möchte.
Gerade jetzt, wo die äußere Welt stiller wird, begegnen wir oft unseren inneren Schatten. Ängste, Zweifel und alte Muster werden sichtbarer, weil das Licht des Sommers sie nicht länger überstrahlt.
Die Dunkelheit will uns jedoch nichts nehmen – sie will uns lehren, dem Leben zu vertrauen, auch wenn der Weg noch nicht klar vor uns liegt.
Wenn du dich in dieser Zeit bewusst mit der Energie von Samhain verbindest, kannst du spüren, wie tiefes Wissen in dir erwacht: das Vertrauen in die Zyklen des Lebens und in die Kraft der Wandlung.
Samhain ist ein Schwellenfest, das den natürlichen Kreislauf von Werden, Wachsen und Vergehen bewusst macht.
ANGST ALS WANDLUNGSENERGIE
Wenn die Dunkelheit zunimmt und das Außen stiller wird, treten oft Gefühle hervor, die wir im Licht des Sommers leicht übersehen konnten und uns in die Angst führen.
In der schamanischen Sichtweise wird Angst jedoch nicht als Schwäche betrachtet, sondern als verdichtete Lebensenergie. Sie zeigt uns, wo etwas in Bewegung kommen will.
Angst ist keine Gegnerin, sondern eine Botschafterin.
Sie zeigt uns, wo etwas in Heilung gehen möchte und wo Vertrauen wachsen darf. Wenn wir lernen, ihr mit Achtsamkeit zu begegnen, verwandelt sie sich in eine Quelle innerer Erkenntnis und Kraft.
Angst entsteht, wenn wir an etwas festhalten, das sich wandeln möchte: eine alte Überzeugung, eine Beziehung, ein Lebensabschnitt oder ein vertrautes Selbstbild.
Doch Angst ist Übergang, wie die Energiequalität rund um Samahin: das Alte beginnt zu sterben - bevor das Neue sichtbar wird. Genau dieser Zwischenraum birgt das größte Potenzial: die Kraft der Transformation.
Anstatt Angst zu bekämpfen oder zu verdrängen, lädt der schamanische Weg dazu ein, ihr zuzuhören.
• Was will sie dir zeigen?
• Wovor möchte sie dich schützen?
• Was will gewandelt werden?
Wenn wir uns diesen Fragen offen zuwenden, wandelt sich Angst in Klarheit. Sie verliert ihre Macht, weil wir sie verstehen. In dieser Haltung entsteht Selbstführung – die Fähigkeit, das eigene Innerste bewusst zu halten, selbst wenn es dunkel wird.
Samhain erinnert uns daran, das Angst wie ein Wächter an der Schwelle ist – sie prüft, ob wir bereit sind, einen alten Teil von uns zu verabschieden. Wer diesen Schritt bewusst geht, erlebt, dass hinter der Angst Vertrauen wartet: das stille Wissen, dass das Leben in jedem Zyklus neu beginnt.
SCHAMANISCHE ÜBUNGEN: LASS DEINE ANGST LOS
Angst will nicht bekämpft, sondern bewegt werden. Wenn wir sie in Bewegung bringen, verwandelt sie sich – von Enge zu Weite, von Unsicherheit zu Vertrauen.
Die folgenden schamanischen Übungen rund um Samhain unterstützen dich dabei, diese Wandlung bewusst zu vollziehen. Sie verbinden Geist, Seele und Körper – und öffnen dich für die heilsame Energie der Dunkelzeit.
ATEMREISE ZU MUTTER ERDE - VERTRAUEN DURCH VERBINDUNG
Wenn Angst in uns aufsteigt, verlieren wir oft den Kontakt zu Mutter Erde. Diese einfache Übung hilft dir, dich zu zentrieren und getragen zu fühlen.
- Suche dir einen stillen Ort in der Natur oder drinnen. Steh mit den Fußsohlen fest auf dem Boden - wenn es für dich möglich ist, auch barfuß. Alternativ kannst du auch deine Hände auf den Boden legen.
- Atme bewusst ein und aus. Spüre, wie du mit jedem Ausatmen alles Schwere, Enge oder Zittern in die Erde sinken lässt.
- Stell dir vor, deine Angst fließt mit dem Atem hinab – tief in die Erde, wo sie aufgenommen und gewandelt wird - in stärkende Energie.
- Stell dir vor, wie du mit jedem Einatmen die stärkende Energie von Mutter Erde in dich aufnimmst – ruhig, und beständig. Mutter Erde trägt, nährt und schützt uns.
Wirkung: Erdung, innere Ruhe, körperliche Stabilität. Du erinnerst dich daran: Die Erde trägt dich – auch in Momenten der Unsicherheit.
BEGEGNUNG MIT DER ANGST - EINE SCHAMANISCHE REISE
Angst verliert ihre Macht, wenn wir ihr zuhören. In dieser Übung begegnest du der Energie deiner Angst auf einer inneren Ebene.
Diese Übung ist für dich, wenn du „schamanisch reisen“ kannst.
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- Setze oder lege dich ruhig hin, schließe die Augen, richte den Atem nach innen und gehe in die nichtalltägliche Wirklichkeit.
- Bitte dein Krafttier oder deine innere Führung, dich zu begleiten.
- Stell dir vor, du trittst in einen sicheren Raum – vielleicht eine Lichtung, eine Höhle oder ein Ort am Feuer.
- Lade deine Angst ein, sich zu zeigen – als Form, Tier, Symbol oder Gefühl. Beobachte sie, ohne zu urteilen.
- Frage sie leise: Was willst du mir zeigen? Was brauchst du, um sich zu wandeln?
- Bedanke dich und kehre mit der Botschaft ins Hier und Jetzt zurück.
Wirkung: Erkenntnis und Integration. Die Angst wird vom Gegner zur Lehrerin – du lernst, ihre Sprache zu verstehen.
FEUERRITUAL DES LOSLASSENS - WANDLUNG DURCH HANDLUNG
Samhain ist ein Schwellenfest und Feuer spielt darin eine zentrale Rolle. Es steht für Reinigung, Transformation und Neubeginn. Dieses kleine Ritual hilft dir, das Alte symbolisch loszulassen.
- Schreibe auf ein Blatt Papier, wovor du Angst hast oder was du hinter dir lassen möchtest.
- Lies die Worte bewusst, atme tief ein und beim Ausatmen sprich: Ich danke dir, dass du mir gedient hast. Jetzt darfst du gehen.
- Verbrenne das Papier achtsam in einer feuerfesten Schale oder Kerze (alternativ: vergraben oder dem Wasser übergeben).
- Bleibe still und spüre, wie Leichtigkeit und Raum entstehen.
Wirkung: Symbolische Reinigung, emotionale Entlastung, Öffnung für Neues.
NACH DEM LOSLASSEN – VERTRAUEN UND STILLE
Nach einer intensiven Wandlungsphase entsteht oft ein Moment der Leere. Etwas Altes ist gegangen, doch das Neue ist noch nicht greifbar. In der schamanischen Praxis gilt diese Zwischenzeit als besonders kraftvoll – sie ist der Raum, in dem Neues entsteht und Heilung geschieht.
Wenn du Angst losgelassen hast, entsteht nicht sofort Licht oder Freude. Zuerst kommt Stille. Eine Ruhe, die sich manchmal ungewohnt anfühlt, weil sie frei ist von dem, was dich zuvor beschäftigt hat. Diese Stille ist kein Nichts – sie ist der Nährboden für Vertrauen.
Vertrauen wächst nicht durch Kontrolle, sondern durch Hingabe. Es entsteht, wenn du spürst: Das Leben trägt dich – selbst dann, wenn du den Weg gerade nicht siehst. Genau diese Qualität bringt die
Dunkelzeit um Samhain mit sich. Sie lädt dich ein, still zu werden, dich zurückzuziehen und der inneren Stimme zu lauschen.
Nimm dir bewusst Zeit für Momente der Ruhe:
- Setz dich am Abend ans Fenster und betrachte die Dunkelheit draußen.
- Entzünde eine Kerze als Symbol des inneren Lichts.
- Lausche deinem Atem und spüre, dass du Teil eines größeren Rhythmus bist.
Mit jedem Atemzug darf neues Vertrauen wachsen – leise, beständig, wie ein Same unter der Erde. So verwandelt sich Angst in Ruhe, und aus der Ruhe entsteht Klarheit.
SAMHAIN IM ALLTAG LEBEN
Die Energie von Samhain wirkt weit über die Nacht des Festes hinaus. Sie begleitet uns bis zum nächsten Jahreskreisfest am 21. Dezember und erinnert uns daran, regelmäßig innezuhalten. Der Jahreskreis ist kein fernes Konzept, sondern ein lebendiger Rhythmus, der uns lehrt, im Einklang mit der Natur zu leben – auch mitten im Alltag.
Wenn du die Impulse von Samhain in dein tägliches Leben integrierst, wird Loslassen zu einer bewussten Haltung. Es geht nicht darum, perfekt zu sein oder große Rituale zu vollziehen, sondern um kleine, achtsame Gesten, die dich immer wieder mit dir selbst verbinden.
Noch mehr Inspirationen für die Samhain-Zeit:
- Abendliche Dankbarkeitskerze: Entzünde jeden Abend eine Kerze und danke leise für das, was du heute loslassen konntest – ein Gedanke, ein Gefühl, eine Erwartung.
- Naturspaziergang im Nebel: Spüre, wie Stille, Feuchtigkeit und Kälte dich zur Ruhe führen. Lass beim Gehen bewusst Belastendes hinter dir.
- Ahnenerinnerung: Sieh dir ein Foto oder einen Gegenstand an, der dich an deine Vorfahren erinnert. Spüre ihre Kraft und danke ihnen für das Leben, das sie weitergegeben haben.
- Innere Einkehr: Nimm dir Zeit, nichts zu tun. Lausche in dich hinein. In der Dunkelheit entstehen neue Einsichten – wenn du sie nicht suchst, sondern empfängst.
Diese kleinen Handlungen bringen
schamanisches Bewusstsein
in deinen Alltag: das Wissen, dass alles miteinander verbunden ist – auch die inneren Prozesse, die scheinbar still verlaufen.
Wenn du dich immer wieder an diesen Rhythmus erinnerst, wird Samhain nicht nur zu einem Fest des Loslassens, sondern zu einer Haltung des Vertrauens. Du beginnst, im Fluss der Jahreszeiten zu leben – mit mehr Ruhe, Klarheit und Verbundenheit.
DAS WICHTIGSTE: WENN ANGST SICH WANDELT
Samhain erinnert uns daran, dass Loslassen Teil des Lebens ist. Alles, was vergeht, schafft Raum für Neues. Wenn wir lernen, Angst nicht zu verdrängen, sondern ihr zuzuhören, verwandelt sie sich – aus Enge wird Weite, aus Unsicherheit wird Vertrauen.
Der Jahreskreis zeigt uns, dass jede Dunkelheit eine Funktion hat: Sie führt uns nach innen, zu unseren Wurzeln, zu unserer inneren Stärke - zu unserem Seelenplan. In dieser Tiefe finden wir Ruhe – nicht, weil alles leicht ist, sondern weil wir uns getragen fühlen vom größeren Ganzen.
Wenn du die Übungen regelmäßig praktizierst, wirst du spüren, wie sich dein Verhältnis zu Angst verändert. Du erkennst sie als Energie der Wandlung – und beginnst, mit ihr statt gegen sie zu gehen. So wird Samhain nicht nur zu einem Fest des Abschieds, sondern zu einem Tor in mehr Bewusstsein, Vertrauen und Lebensfreude.
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