Schamanismus lernen: Bewusst und verbunden leben im schamanischen Kosmos

Petra Gompper • 30. Oktober 2025

Immer mehr Menschen spüren, dass unser modernes Leben etwas Wesentliches verloren hat: die tiefe Verbundenheit mit dem, was uns umgibt. Wir planen, kontrollieren und funktionieren – und verlieren dabei oft die natürliche Verbindung zu den Rhythmen des Lebens, die uns einst getragen haben.


Der schamanische Kosmos erinnert uns daran, dass alles miteinander verwoben ist: Mensch, Natur, Geist, Seele, Körper – und auch Zeit. Im schamanischen Verständnis ist Zeit kein geradliniger Ablauf, sondern ein spiraliger Raum, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugleich wirken.


Wer schamanisch lebt, erkennt sich als Teil dieses lebendigen Ganzen – eingebunden in sichtbare und unsichtbare Wirklichkeiten - in grob- und feinstoffliche Ebenen - und in natürliche Zyklen und Bewegungen.  



Dieser Artikel führt dich in das Themenfeld „Der schamanische Kosmos“. Er öffnet dir den Blick für eine schamanische Sicht auf dein Leben - bewusst, frei und leicht. Weitere Artikel vertiefen verschiedene Themen wie die drei Welten des schamanische Kosmos, verbunden sein mit allem und die feinstoffliche Wirklichkeit unsers Seins.


Der schamanische Kosmos – ein Netz aus Beziehung und Ausgleich


Im schamanischen Verständnis ist der Kosmos ein lebendiges Geflecht von Beziehungen. Alles steht in Wechselwirkung – Menschen, Tiere, Pflanzen, Elemente, Ahnen und geistige Kräfte. Dieses Netz ist ständig in Bewegung und sucht fortwährend nach Ausgleich.


Wenn wir diese Ordnung stören – durch Trennung, innere Blockaden oder unbewusstes Handeln – entsteht ein Ungleichgewicht.


Schamanisches Bewusstsein bedeutet, diese Beziehungen wahrzunehmen und aktiv zum Ausgleich beizutragen – in uns selbst, in Beziehungen und im Umgang mit der Welt.


Heilung geschieht dort, wo wir uns als Teil dieses Netzwerks erkennen und unseren Platz darin bewusst einnehmen.


Die drei Welten – Orientierung im schamanischen Kosmos


Alle drei Ebenen sind miteinander verwoben, durchdringen und beeinflussen einander: es gibt keine Trennung.


Die Dreiteilung in untere, mittlere und obere Welt ist kein festes System, sondern ein menschliches Gedankenmodell. Es dient der Orientierung und Sicherheit – besonders am Beginn schamanischer Arbeit.
 

Die untere Welt – Ort der Wurzeln und Kraft


Die untere Welt erscheint wie eine irdische Landschaft – mit Flüssen, Bergen, Tälern oder Wüsten. Sie steht für Urkraft, Instinkt und Lebendigkeit. Hier begegnen wir besonders den Tiergeistwesen oder unserem Krafttier, das uns Schutz, Orientierung und Erdung schenkt.


Diese Ebene stärkt unsere Verbindung zur Erde und zu unserer ursprünglichen Kraftquelle.


Die mittlere Welt – Wirklichkeit in zwei Ebenen


Die mittlere Welt ist der Raum, in dem wir leben. Sie umfasst die grobstoffliche Ebene – unsere sichtbare Welt mit ihren Bäumen, Tieren, Felsen, Winden und Wolken und die feinstoffliche Ebene, die schamanisch als nichtalltägliche Wirklichkeit bezeichnet wird.


Wenn wir lernen, die feinstoffliche Wirklichkeit wahrzunehmen, öffnen sich neue Formen der Begegnung: Wir können mit dem Geist eines Baumes sprechen, den Hüter eines Ortes spüren oder uns mit einer Baumdeva verbinden.


So erfahren wir, dass alles Leben beseelt ist – Ausdruck des einen Bewusstseins, das alles durchdringt.


Die obere Welt – Raum der Klarheit und Inspiration


Die obere Welt wird oft als lichtvoll, grenzenlos, strahlend wahrgenommen. Hier begegnen wir geistigen Lehrer:innen, Ahnen oder lichtvollen Wesen.


Sie ist nicht „höher“ im Sinne von Wert, sondern eine andere Schwingungsebene – ein Raum der Klarheit, Weite und Führung.


Alle drei Welten sind Ausdruck ein und derselben Wirklichkeit – Aspekte eines Bewusstseins, das in Bewegung bleibt und sich im Ausgleich hält.


Grob- und feinstoffliche Wirklichkeiten


Der schamanische Kosmos umfasst zwei ineinander wirkende Ebenen: die grobstoffliche und die feinstoffliche Wirklichkeit. Beide sind Ausdruck derselben schöpferischen Kraft.


Die grobstoffliche Wirklichkeit  ist die sichtbare Ebene, die wir mit unserem Alltagsbewusstsein und unseren Sinnen wahrnehmen. Hier handeln, gestalten und lernen wir. Alles, was uns begegnet, spiegelt auch innere Prozesse: Körper, Natur, Beziehungen – sie zeigen, wo Ausgleich entstehen darf.


Die feinstoffliche Wirklichkeit  ist das energetische Gewebe, das allem Leben zugrunde liegt. Hier wirken Emotionen, Gedanken, Erinnerungen, Ahnenfelder und Seelenimpulse. In schamanischer Praxis – etwa in der Schamanischen Reise, im Ritual oder mit unseren Hellsinnen – können wir diese Ebenen wahrnehmen und in bewussten Ausgleich bringen.


Beide Ebenen bedingen einander: Was wir im Inneren klären, wirkt nach außen; was wir im Außen wandeln, verändert das Innere. So entsteht gelebte Transformation im Alltag.


Alles ist belebt, beseelt, verbunden


Im schamanischen Verständnis ist alles belebt. Allem wohnt Energie inne, mit dem Schöpfung beginnt. Und alles Leben ist beseelt. Jedes Wesen, jedes Element, jeder Stein trägt Bewusstsein.


Diese Erkenntnis verändert, wie wir die Welt wahrnehmen: Wir begegnen dem Leben nicht mehr als etwas Getrenntem, sondern als einem atmenden, fühlenden Gegenüber, mit dem wir verbunden sind.


Wenn wir die Natur mit offenen Sinnen wahrnehmen, antwortet sie. Im Rauschen des Windes, im Flug eines Vogels, in der Stille eines Steins – alles spricht mit uns, wenn wir zuhören. So entsteht Beziehung, Resonanz und letztlich Heilung.


Schamanische Lebensweise bedeutet, diese Verbundenheit zu leben: achtsam zu handeln, zu danken, zu lauschen – und die Welt als beseeltes Gegenüber zu achten. In dieser Haltung finden wir Ausgleich, Vertrauen und Sinn.


Leben im Jahreskreis – im Rhythmus der Natur


Der schamanische Weg ist rhythmisch – er folgt den natürlichen Bewegungen und Zyklen des Lebens. Der keltische Jahreskreis unserer Ahnen ist eine Möglichkeit, dies wahrzunehmen. Er beschreibt acht Energiequalitäten, die uns Orientierung und innere Führung schenken.


  • Samhain (1. November) – Rückzug
  • Jul / Wintersonnenwende (21. Dezember) – Innenschau
  • Imbolc (1./2. Februar) – Aufbrechen
  • Ostara / Frühlingstagundnachtgleiche (ca. 21. März) – Form
  • Beltane (1. Mai) – Differenzierung
  • Litha / Sommersonnenwende (21. Juni) – Reife
  • Lammas / Lughnasadh (1. August) – Fülle
  • Mabon / Herbsttagundnachtgleiche (ca. 21. September) – Vorsorgen


Diese acht Punkte bilden keinen starren Kalender, sondern eine spiralige Bewegung. Jede Phase trägt eine besondere Energiequalität, die uns einlädt, in Resonanz mit dem Leben zu gehen.


Im Jahreskreis-Mentoring von hagalis wird dieses Wissen erlebbar: Wir verbinden uns mit diesen Kräften und erkennen ihre Entsprechung in uns selbst. So entsteht Bewusstsein, Ausgleich und Vertrauen in die eigene innere Führung anhand eine konkreten Lebensthemas.


Schamanisch leben – eine Haltung der Verbundenheit


Schamanisch leben bedeutet, das Leben in seiner Ganzheit zu ehren – sichtbar und unsichtbar, außen und innen. Es ist keine Technik, sondern eine Haltung des Bewusstseins, die uns lehrt, mit allem in Beziehung zu stehen.


In dieser Haltung erkennen wir: Heilung geschieht durch Verbindung, nicht durch Trennung. Wenn wir uns selbst, die Natur und die geistigen Kräfte als Teile eines Ganzen begreifen, entsteht Ausgleich – in uns und um uns herum.


Schamanische Lebensweise ist gelebte Bewusstheit im Alltag: achtsames Handeln, aufmerksames Zuhören, Mitgefühl und Dankbarkeit. So wird Spiritualität erfahrbar – mitten im Leben.


Der schamanische Kosmos zeigt uns: Alles Leben ist miteinander verbunden. Wenn wir lernen, diese Verbindung wieder zu spüren und ihr zu vertrauen, finden wir in uns selbst den Ausgleich, den wir oft im Außen suchen.


Die Autorin






Ich bin Petra, Schamanin und Mentorin, und verbinde schamanisches Wissen, kultuelles Prägungswissen und Human Design zu einem einfachen und alltagstauglichen Lebensweg, der es Menschen ermöglicht, bewusst, frei und leicht zu leben.

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